| Stille
Sehnsucht und plötzliche Gewalt
VON JÜRGEN KISTERS, 22.08.03
Die
Künstlerin Maica Evers widmet sich in ihrer Ausstellung
in der Kölner Galerie Haferkamp dem Thema Container.
Der
Container von Maica Evers ist zunächst einmal
nur eine Simulation. Er wird symbolisiert durch die
stählerne Rückwand eines echten Frachtcontainers,
zahlreiche Farbfotografien und einige zur Skulptur
zerlegte Einzelteile von Containern. Der eigentliche
Container in dieser Inszenierung ist demnach der Galerieraum
selbst: als Ort für ein Klanggeschehen aus Orgel
und Stimme, das in collagierter Mischung Fantasien
vom Inneren und Äußeren des Containers
zum Tönen bringt. Darin kommen eine Orgelkomposition
des spanischen Organisten Jesus Amurrio und Geräusche
vom Arbeitsgeschehen auf dem Containerterminal im
Niehler Hafen zusammen, die von der Künstlerin
während ihrer bildhauerischen Arbeit in der dortigen
Wartungshalle aufgenommen wurden.
Zu
erleben ist ein plastisch-akustisches Ereignis neuer
Musik, das in alle Höhen und Tiefen seelischer
Empfindungen zielt. Der Klang religiöser Besinnung
trifft auf das funktionale Geräusch-Mysterium
von Walkie-Talkie und Industrie-Lautsprecheranlagen.
Eine getragene Stimmung wechselt ab mit der Banalität
alltäglicher Stimmen. Die Nüchternheit der
modernen Industriekultur berührt die Melodie
der Sehnsucht, die bezaubernde Klangwelt einer Orgel
die Rätselhaftigkeit eines Hörspiels. Leise
Laute werden von heftigen Klangsequenzen durchkreuzt,
und die plötzliche Gewalt äußerer
Töne bringt die inneren Töne in Schwingungen,
die ebenso vertraut wie unheimlich sind.
Der
Container, den Maica Evers in den Galerieraum bringt,
wird so zum Sinnbild des eigenen Zustandes. Sind wir
eingesperrt in diesen Container, wie so viele Flüchtlinge,
die darin die Flucht in ein anderes, besseres Leben
versuchen? Oder sind wir abgeschottet und geschützt
wie Dinge, die in Containern aufbewahrt und transportiert
werden? Spannend ist die Diskrepanz zwischen der grellfarbigen
äußeren Hülle und der Enge und Dunkelheit
in seinem Innern.
Galerie
Haferkamp, Köln, Eigelstein 112, Di-Fr 14-19,
Sa 12-15 Uhr, bis 29. 8. |