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FELTPICTURES
Filz
hat seit ewigen Zeiten für das Überleben und Schaffen
des Menschen eine wichtige Rolle gespielt. Archäologische
Funde zeigen, daß die Traditi- onen von einer
uralten, künstlerisch hochentwickelten Filzkultur
herrühren. Filz wurde als Bezug für Liegen, als
Decke zum Schlafen, als Schmuck für Wände, als
Material zum Zeltbau sowie als Schutz gegen Waffen,
Kälte und Wärme benutzt.
Ketevan Buchukuri geht in einer ganz anderen Art
und Weise mit dem Material Filz um.
Nach ihrem Studium begann K.B. sich mit den gestalterischen
Möglichkeiten traditioneller georgischer Filztechnik
vertraut zu machen. Die technischen Grundlagen
hierfür erlernte sie von einer alten Frau aus
der Kaukasischen Region Mtiuleti. Bereits in ihrer
Kindheit besuchte die Künstlerin häufig in den
Sommerferien dieses Dorf, in dem einst ihre Großeltern
und heute noch ihre Eltern leben. Von der Filztechnik
erfuhr sie erstmals durch die Erzählungen ihrer
Großmutter. Fasziniert und geprägt von diesen
Geschichten gelang der Künstlerin später die Synthese
von traditioneller kunsthandwerklicher Technik
und moderner Genremalerei.
K.B. beschäftigt sich seit 1988 intensiv und vielseitig
mit Filz und schuf Porträts, Landschaften, Stilleben,
architektonische Denkmäler, Stadtbilder, Sujetmalerei,
Bilder aus der Vergangenheit Georgiens... Neben
ihr arbeiteten zu dieser Zeit in Georgien nur
noch die Brüder Sissauri auf traditionelle Weise
mit dieser fast vergessenen Technik, wobei diese
jedoch auf ornamentale Motive zurückgriffen. Die
heutigen Meister müssen für die Darstellung dieser
Genres viel Kraft und Geduld aufwenden, um sie
in Filztechnik umzusetzen.
Filz ist ein schwierig zu verarbeitendes Material
und erfordert neben Talent großen Fleiß und handwerkliches
Können - das bewies schon Beuys. K.B. filzt mit
der Rolltechnik, ihre Technologie ist folgende:
Sie legt helle, gewaschene Wolle 20 cm hoch auf
eine feste Stoffbahn und formt aus verschiedenen
Naturtönen das Motiv. Zu beachten ist dabei, daß
sich das Bild während der Weiterverarbeitung verkleinern
wird. Nun wird die Wolle gepreßt, anschließend
mit heißem Wasser übergossen und eingerollt. Das
Bild muß mit viel Geduld und hohem Kraftaufwand
so lange gerollt werden, bis die Wolle fest und
gut verfilzt ist. Während dieser Bearbeitung kann
die Künstlerin noch Einfluß auf das Ergebnis ihrer
Vorstellungen nehmen, indem sie bestimmte Konturen
und Effekte verstärkt und damit dem Kunstwerk
Bewegtheit und Plastizität verleiht.
Beim Betrachten der Arbeiten glaubt man nur schwer,
daß diese Werke aus Naturstoff hergestellt wurden,
ohne Pinsel und Farben, ohne gefärbte Wolle. Die
ausgehenden Naturtöne Braun, Weiß, Schwarz, Gelb
und Orange ergeben ein Spiel aus weichen und warmen
Tönen und Halbtönen und lassen ein eindruckstarkes
Kunstwerk entstehen.
Neben den überzeugenden ästhetischen Ergebnissen
ihrer Werke leistet K.B. einen wesentlichen Beitrag
zum Erhalt und zur Entwicklung dieser alten Volkskunst.
In ihrer Heimat erregte ihr unkonventionelles
Arbeiten großes Aufsehen und löste eine Renaissance
der Filzkunst in Georgien aus.
Seit 1988 hatte Ketevan Buchukuri eine Reihe von
Einzelausstellungen (Malerei, Grafik, Aquarell,
Filz, Plastik und Gobelin) in Georgien, Ungarn
und Deutschland. Mit ihren Arbeiten ist sie in
Museen, Kirchen und Privatsammlungen in Georgien,
Russland, Ungarn, Frankreich (Korsika), USA, Deutschland
und in der Schweiz vertreten.
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